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Anmerkung: Dieser Artikel stammt aus der SVZ-Online vom 14.05.2008
Weststadt - Es war genau 10.27 Uhr, als Baggerfahrer Thoralf
Mehl beim Ausheben eines Grabens für die neue Wasserleitung in der
Von-Flotow-Straße auf ein größeres Hindernis stieß. Sein Kollege Detlef
Möbius, der am Grabenrand stand, signalisierte Vorsicht. Die Baggerschaufel war
nicht auf einen Stein, sondern in 40 Zentimeter Tiefe auf etwas Metallisches
gestoßen. „Ich wusste, dass hier oben am Alten Friedhof schon viele
Fliegerbomben gefunden wurden. Wir waren deshalb sehr aufmerksam“, sagte Möbius.
Der Verdacht bewahrheite sich bei genauem Hinsehen. Um 10.34 Uhr alarmierte er
die Feuerwehr.
Kurz darauf trafen die ersten Einsatzfahrzeuge der Polizei ein, wenig später die
Kameraden der Berufsfeuerwehr und aller freiwilligen Wehren der Stadt und
sicherten den Fundort des explosiven Überbleibsels aus dem II. Weltkrieg
großräumig ab. Der Obotritenring wurde zwischen Ostorfer Ufer und Wittenburger
Straße voll gesperrt, ebenso die Flotowstraße, die oberen Bereiche der Sand-
und Wallstraße. Mit Lautsprechern forderten die Beamten Anwohner und Passanten
auf, die Gefahrenzone zu räumen.
Dann traf der Schweriner Trupp des Munitionsbergungsdienstes ein und
begutachtete den Fund. „Eine amerikanische 75-Kilo-Fliegerbombe aus dem II.
Weltkrieg“, klassifierte Burghard Pohl. „Genau der gleiche Typ, den wir vor
einem Jahr nur ein paar Meter entfernt gefunden haben“, so der Fachmann.
Mit der Einsatzleitung, die der Leiter der Schweriner Polizeiinspektion,
Wilfried Kapischke, und Manfred Dutz vom städtischen Amt für Brand- und
Katastrophenschutz übernommen hatten, wurde das weitere Vorgehen besprochen:
ein Sicherheitsradius von 200 Metern festgelegt, die Evakuierung der
Kindertagesstätte „Jean Sibelius“ angeordnet, alle Bürger aus der Gefahrenzone
zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert, ein Supermarkt geschlossen.
187 Anwohner, darunter auch die 67 Kinder und Betreuer der Kita, wurden von
den Einsatzkräften evakuiert und in der Sport- und Kongresshalle vom DRK
betreut, die anderen hatten selbstständig die Gefahrenzone verlassen. „Ich war
zunächst erschrocken, als die Polizisten an meiner Tür klingelten, aber
natürlich ist klar, dass Sicherheit Vorrang hat“, berichtete Maria Fox aus der
Sibeliusstraße. Die Betreuung in der Kongresshalle sei sehr gut gewesen, so die
Rentnerin.
„Ich wohne seit 1961 hier in der Flotowstraße. Das ist meine dritte
Evakuierung“, sagte Fred Bannow gelassen. „Hier sind im II. Weltkrieg viele
Bomben runtergekommen, die Amerikaner hatten das Straßenbahndepot mit dem
Bahnhof verwechselt“, erzählte der Rentner. Juliane Speidel berichtete: „Das
ist jetzt schon der vierte Bombenalarm, den ich mitmache. Angst habe ich nicht,
aber ein bisschen komisch ist es diesmal doch, weil die Bombe genau vor unserem
Haus liegt.“
Um 14.30 Uhr war schließlich die Evakuierung abgeschlossen und Sprengmeister
Burghard Pohl und seine Kollegen Bernd Rohde und Frank Treichel konnten mit
ihrer gefährlichen Arbeit beginnen. Nach 25 Minuten gaben sie Entwarnung: „Bombe
entschärft“, lautete die gute Botschaft. „Es war eine schwierige Arbeit“, sagte
Pohl. „Die 1,20 Meter lange Splitterbombe mit rund 37 Kilo TNT-Sprengstoff ist
fast senkrecht durch den Straßenbelag gedrungen und wurde bei diesem heftigen
Aufschlag deformiert und zum Teil aufgerissen. Sie war dennoch
funktionstüchtig.“ Die Experten hatten den Blindgänger zunächst komplett
freilegen müssen, um an den am tiefsten in der Erde steckenden Zünder
heranzukommen. Der konnte aber entfernt werden. Dann wurde der 75 Kilo schwere
Blindgänger auf ein Spezialfahrzeug gelegt und zur Sprengung abtransportiert.
„Es wird nicht die letzte Bombe gewesen sein, die wir in Schwerin entschärft
haben“, so Pohl. Einsatzleiter Kapischke resümierte: „Das Zusammenwirken der
Einsatzkräfte hat gut geklappt. Ich danke allen für ihr Engagement.“ Um 16.15
Uhr wurde die Sperrung aufgehoben. Bis der Verkehr wieder reibungslos rollte,
vergingen aber noch Stunden.
Die Löschgruppenfahrzeuge im Bereitstellungsraum vor dem Alten Friedhof
Blick auf den gesperrten Obotritenring. Eine der Hauptverkehrsstrassen der Landeshauptstadt Schwerin
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