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Anmerkung: Dieser Artikel stammt aus der SVZ-Online vom 14.05.2008

 

Fliegerbombe legte Verkehr lahm

14. Mai 2008 | 19:56 Uhr | von Bert Schüttpelz

Eine amerikanische Fliegerbombe aus dem II. Weltkrieg wurde gestern bei Bauarbeiten in der Flotowstraße gefunden. Für die Entschärfung und Bergung des gefährlichen Relikts mussten im Umkreis von 200 Metern alle Gebäude, darunter eine Kita, evakuiert werden. Durch die stundenlange Sperrung des Obotritenringes staute sich der Verkehr kilometerlang.
 

Weststadt - Es war genau 10.27 Uhr, als Baggerfahrer  Thoralf Mehl beim Ausheben eines Grabens für die neue Wasserleitung in der Von-Flotow-Straße auf ein größeres Hindernis  stieß.  Sein Kollege Detlef Möbius, der am Grabenrand stand, signalisierte Vorsicht. Die Baggerschaufel war nicht auf einen Stein, sondern in 40 Zentimeter Tiefe auf etwas Metallisches gestoßen. „Ich wusste, dass hier oben am Alten Friedhof schon viele Fliegerbomben gefunden wurden. Wir waren deshalb sehr aufmerksam“, sagte Möbius. Der Verdacht bewahrheite sich bei genauem Hinsehen.  Um 10.34 Uhr alarmierte er die Feuerwehr.

Kurz darauf trafen die ersten Einsatzfahrzeuge der Polizei ein, wenig später die Kameraden der Berufsfeuerwehr und aller freiwilligen Wehren der Stadt  und sicherten  den Fundort des explosiven Überbleibsels aus dem II. Weltkrieg großräumig ab. Der Obotritenring wurde zwischen Ostorfer Ufer und Wittenburger Straße voll gesperrt, ebenso die Flotowstraße, die oberen  Bereiche der Sand- und Wallstraße. Mit  Lautsprechern forderten die Beamten Anwohner und Passanten  auf, die Gefahrenzone zu räumen.

Dann traf der Schweriner Trupp  des Munitionsbergungsdienstes ein und begutachtete den Fund. „Eine amerikanische 75-Kilo-Fliegerbombe aus dem II. Weltkrieg“, klassifierte Burghard Pohl. „Genau der gleiche Typ, den wir vor einem Jahr nur ein paar Meter entfernt gefunden haben“, so der Fachmann.
Mit der Einsatzleitung, die der Leiter der Schweriner Polizeiinspektion, Wilfried Kapischke, und Manfred Dutz vom städtischen Amt für Brand- und Katastrophenschutz  übernommen hatten, wurde das weitere Vorgehen besprochen: ein Sicherheitsradius von 200 Metern festgelegt, die Evakuierung der  Kindertagesstätte „Jean Sibelius“ angeordnet, alle Bürger aus der  Gefahrenzone zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert, ein Supermarkt geschlossen.

187 Anwohner, darunter auch die 67 Kinder und Betreuer der Kita, wurden  von den  Einsatzkräften evakuiert und in der Sport- und Kongresshalle  vom  DRK betreut, die anderen hatten selbstständig die Gefahrenzone verlassen. „Ich war zunächst erschrocken, als die Polizisten an meiner Tür klingelten, aber natürlich ist klar, dass Sicherheit Vorrang hat“, berichtete Maria Fox aus der Sibeliusstraße. Die Betreuung in der Kongresshalle sei sehr gut gewesen, so die Rentnerin.

„Ich wohne seit 1961 hier in der Flotowstraße. Das ist meine dritte Evakuierung“, sagte  Fred Bannow gelassen.  „Hier sind im II. Weltkrieg viele Bomben runtergekommen, die Amerikaner hatten das Straßenbahndepot mit dem Bahnhof verwechselt“, erzählte der Rentner.  Juliane Speidel berichtete: „Das ist jetzt schon der vierte Bombenalarm, den ich mitmache. Angst habe ich nicht,  aber ein bisschen komisch ist  es diesmal doch, weil die Bombe genau vor unserem Haus liegt.“

Um 14.30 Uhr war schließlich die Evakuierung abgeschlossen und Sprengmeister Burghard Pohl und seine Kollegen Bernd Rohde und Frank Treichel  konnten mit ihrer gefährlichen Arbeit beginnen. Nach 25 Minuten gaben sie Entwarnung: „Bombe entschärft“, lautete die gute Botschaft. „Es war eine schwierige Arbeit“, sagte Pohl. „Die 1,20 Meter lange Splitterbombe mit rund 37 Kilo TNT-Sprengstoff ist fast senkrecht durch den Straßenbelag gedrungen und wurde  bei diesem heftigen  Aufschlag deformiert und zum Teil aufgerissen. Sie war dennoch funktionstüchtig.“ Die Experten hatten den Blindgänger zunächst komplett freilegen müssen, um an den am tiefsten in der Erde steckenden Zünder heranzukommen. Der konnte aber entfernt werden. Dann wurde der 75 Kilo schwere Blindgänger auf ein Spezialfahrzeug gelegt und zur Sprengung abtransportiert. „Es wird nicht die letzte Bombe gewesen sein, die wir in Schwerin entschärft haben“, so Pohl. Einsatzleiter Kapischke resümierte: „Das Zusammenwirken der Einsatzkräfte hat gut geklappt. Ich danke allen für ihr Engagement.“ Um 16.15 Uhr wurde die Sperrung aufgehoben. Bis der Verkehr wieder reibungslos rollte, vergingen aber noch Stunden.

Die Löschgruppenfahrzeuge im Bereitstellungsraum vor dem Alten Friedhof

 

 

 

Blick auf den gesperrten Obotritenring. Eine der Hauptverkehrsstrassen der Landeshauptstadt Schwerin

 

 

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